Elben waren die erstgeborenen Kinder Ilúvatars, das ältere der Zwei Geschlechter, und somit die “großen Brüder” der Menschen. Sie sind unsterblich, was jedoch nur bedeutet, dass sie die Welt nicht verlassen können, solange sie besteht. Wurden sie getötet oder waren sie der Welt überdrüssig, verloren sie ihren Körper und ihr Geist ging in Mandos‘ Hallen ein. Es war sogar möglich, dass nach einer Zeit der Erholung, Heilung oder Reinigung der Geist in einem anderen Körper wiedergeboren wurde.
“Die Elben indes bleiben bis zum Ende aller Tage: Daher geht ihre Liebe zur Erde und zu allen Dingen mehr ins Einzelne; sie ist stärker und, wenn die Jahre länger werden, auch mehr von Kummer bedrückt.”
- TOLKIEN, J.R.R.: Das Silmarillion, Klett-Cotta, Stuttgart 1999
Tiere und Pflanzen, Hügel und Bäche, Waffen und Schmuckstücke waren Nachbarn und Begleiter, und alles was ihre Aufmerksamkeit erregte bekam einen Namen. Am liebsten jedoch waren ihnen die Sterne, denn in ihrem Licht hatten sie zum ersten Mal die Welt erblickt. Varda, die Sternentfacherin, ehrten sie deshalb am höchsten. Die Vorliebe der Elben galt der Musik, Poesie, Kunst und Wissenschaft. Ihre größte Schwäche war, dass sie der Vergangenheit nachtrauerten und dem Wandel abgeneigt waren.
Am See von Cuiviénen (“Wasser des Erwachens”) weit im Osten Mittelerdes waren die Elben zum Leben erweckt worden. Dort hatte sie einst Orome bei einem seiner Jagdritte gefunden. Die Valar forderten sie auf nach Aman zu kommen, wo sie vor Melkor sicher waren. Die Elben waren anfangs voller Furcht. Man beschloss schließlich, drei Botschafter nach Valinor zu schicken, die für ihr Volk sprechen sollten: Ingwe, Finwe und Elwe. Alle drei rieten den Quendi, “die, welche mit Stimmen sprechen”, wie sie sich selbst nannten, den Valar zu gehorchen und nach Valinor zu ziehen.
Die Elben konnten sich jedoch nicht einigen, so spalteten sie sich in verschiedene Stämme. Zuerst wurden alle von Orome Eldar, das Volk der Sterne, genannt, wobei die Avari (“Die Widerstrebenden”) von dieser Bezeichnung ausgenommen werden, da sie sich schon am Cuiviénen von den anderen trennten. Aber auch die Nandor (“Die sich abwenden”) schreckten vor dem Nebelgebirge und dem Großen Anduin zurück und bogen nach Süden ab. Diejenigen, die zur Wanderung bereit waren, formierten sich zu drei Scharen:
1. Ingwes Geschlecht: Sie waren nur wenige, brachen allerdings zuerst auf und gingen alle nach Westen. In Aman wohnten sie den Valar am nächsten und wurden als die Vanyar, die Blond-Elben, bekannt. Sie gelten als die Lieblinge Manwes und Vardas.
2. Finwes Geschlecht: Obwohl einige zurückblieben, zogen die meisten direkt hinter den Vanyar her. Sie wurden als die Noldor (“Die Gelehrten”), die Tief-Elben, bekannt und waren Freunde Aules.
3. Elwes Geschlecht: Sie waren die größte Schar und sehr uneinig. Einige brachen niemals auf, andere zögerten unterwegs und wandten sich vom Weg in den Westen ab. Die, die schließlich an die westlichen Küsten gelangten, waren voller Liebe zur See, deshalb nannte man sie auch Falmari, See-Elben. Allgemein wurden sie als Teleri (“Die Letzten”) bekannt.
Der Meeresgott Ulmo riss eine Insel los und transportierte darauf die Vanyar und Noldor nach Aman. Um die Teleri zu holen, musste er seine Insel noch mal den ganzen Weg hin und her ziehen, und auch dann kam nur ein Teil von ihnen mit. Die restlichen konnten sich von Mittelerde nicht trennen.
Alle, die noch das Licht der Zwei Bäume in Valinor erblickt hatten, nannten sich später Calaquendi, die Lichtelben: die Vanyar, die Noldor und der in Aman wohnende Teil der Teleri. Alle anderen, die Avari, die Nandor und die in Mittelerde gebliebenen Teleri, wurden von den Calaquendi Moriquendi, die Dunkelelben, oder Úmanyar (“Die nicht aus Aman kommen”) genannt.
Als die Noldor während der Verdunkelung von Valinor nach Mittelerde zurückkehrten, nannten sie die Teleri, die sie dort trafen, die Sindar, die Grauelben. Von den beiden inzwischen entwickelten Sprachen der beiden Völker, setzte sich das Sindarin (Grauelbisch) gegen das Quenya der Noldor sowohl bei Elben als auch Menschen und Zwergen als allgemeine Verkehrssprache durch. Quenya wurde nur mehr als Gelehrten- und Zeremonialsprache verwendet. Von den Sprachen der Nandor und Avari ist wenig bekannt. Im dritten Zeitalter vermischten sich die wenigen, die von den Nandor und Avari noch übrig waren, mit den verbleibenden Resten der Sindar und Noldor in Mittelerde.